„Rentner sollen mehr arbeiten“

Ist es nur ein aus dem Zusammenhang gerissenes Zitat oder steckt mehr dahinter? Jedenfalls forderte der damalige CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann, der inzwischen das Gesundheitsministerium leitet, am 25. Mai 2025 als Talk-Gast bei Caren Miosga, dass die deutschen Rentner mehr arbeiten sollen. Zur Erinnerung: Der 49-jährige Carsten Linnemann hat außer einem Jahr als Lehrling in der Buchhandlung seiner Eltern und einem Jahr als Volkswirt bei einer Bank noch keinen anderen Beruf ausgeübt als den eines Politikers.

Eigentlich ist der Sinn einer Altersrente, dass man lange genug gearbeitet hat, um sich in den wohlverdienten Ruhestand zu begeben. Doch natürlich bleibt es jedem Rentner selbst überlassen, ob er mit 75 oder 80 Jahren noch arbeiten will. Linnemann schlägt sogar vor, dass man im Ruhestand monatlich 2000 Euro steuerfrei verdienen darf. Von welchen Rentnern spricht Linnemann, wenn er auf der Suche nach Arbeitskräften ist? Es können ja nur billige Arbeitskräfte gemeint sein, denn Steuern zahlen sie keine. Und sie bringen dem Staat auch keine Steuereinnahmen ein.

Das Problem mit dem Stadtbild

Kanzler Friedrich Merz erklärte bei einer Pressekonferenz im November 2025 nach dem Weltklimatreffen in der brasilianischen Amazonas-Stadt Belém, dass alle seine Begleiter froh waren, als sie diesen Ort verlassen durften. Die brasilianischen Gastgeber waren von diesem Kompliment alles andere als begeistert. Ähnlich erging es den Gastgebern in Angola, denn auf dem Frühstückstisch in Luanda vermisste Merz „ein ordentliches Stück Brot“. Ebenfalls aus dem Herbst 2025 stammt die Aussage mit Blick auf die Migrationspolitik und Rückführungen, dass es trotz sinkender Zahlen weiterhin „dieses Problem im Stadtbild“ gebe. Nach heftiger Kritik und Vorwürfen der Pauschalisierung erklärte Merz genauer, was er meinte: Gemeint seien Personen ohne Aufenthaltsrecht und Arbeit sowie Regelbrecher im öffentlichen Raum (etwa an Bahnhöfen oder in Parkanlagen), die auch die Polizei vor große Herausforderungen stellen. Er betonte, dass er damit keine Äußerlichkeiten von Personen oder die generelle Vielfalt in unserer Gesellschaft meinte, räumte aber ein, die Formulierung hätte differenzierter gewählt werden können.

Noch tiefer ins Fettnäpfchen trat Bundeskanzler Friedrich Merz, als er im Januar 2026 durch die oft geforderte, aber nur selten in die Praxis umgesetzte Work-Life-Balance und Vier-Tage-Woche unseren Wohlstand gefährdet sah. Er forderte in einer Rede vor der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau von Arbeitnehmern mehr Einsatz und Leistung. „Insgesamt ist die Arbeitsleistung unserer Volkswirtschaft nicht hoch genug“, kritisierte Merz.  „Um es noch deutlicher zu sagen: Mit Work-Life-Balance und Vier-Tage-Woche lässt sich der Wohlstand unseres Landes, den wir heute haben, in Zukunft nicht erhalten – und deswegen müssen wir mehr arbeiten“, fügte er hinzu.